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Lea Manti (1886-1960):
„die nicht nur auf weibliche Kleidung, sondern auch auf den kleinen Fingern pfeift“
– Eine neue Annäherung an Leben und Werk der Kunstpfeiferin1

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Lea Manti um 1918, retuschiert,Sammlung Frank ©
Lea Manti um 1918,
(retuschiert)
Sammlung Frank ©

Lea Manti war zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs, der Weimarer Republik und der NS-Diktatur eine erfolgreiche und zeitgenössisch weltbekannte2 Kunstpfeiferin aus Deutschland. Während viele ihres Fachs zum Pfeifen die Lippen spitzten, war sie*3 eine Künstlerin, "die nicht nur auf weibliche Kleidung, sondern auch auf den kleinen Fingern pfeift".4 Scheinbar mühelos pfiff Lea Manti auf diese Weise einprägsame Melodien, sogar Opernarien und anspruchsvolle Konzertstücke. Zu ihrem reichhaltigen Repertoire gehörten beispielsweise Stücke aus der Oper "Tannhäuser" (Richard Wagner), das Lied "Dein ist mein ganzes Herz" aus "Land des Lächelns" (Franz Lehár)5 und ein Walzer aus der "keuschen Susanne" (Jean Gilbert) genauso wie das "Ave Maria" (Charles Gounod) oder auch der "Lieblingsmarsch unseres Kaisers".6 Trotz ihres offenkundigen Ruhms ist sie heute weitgehend in Vergessenheit geraten. In einschlägigen Theater- oder Bühnenlexika sucht eine_r sie vergebens.

Die Bühne betrat Lea Manti im eleganten Frackanzug und mit kurzen, meist zurückgekämmten, eng anliegenden Haaren. Ihr Markenzeichen war ein „Biedermeier-Herrenkostüm",7 das als „tiefviolett[e]", später auch mal als braun beschrieben wurde.8 Dieses Outfit konnten die Berichtenden nicht so recht einordnen; für überzeugende Maskulinität erschien ihnen die Person offenbar zu klein und zu dünn – und die Farbe der Kleidung zumindest gewagt. Deshalb wurde sie despektierlich als „das graziöse ‚Herrchen'"9 beschrieben. Andere formulierten es so: "Lea Manti ist bekannt als die unvergleichliche Kunstpfeiferin (zunächst glaubt man, sie heißt Leo, denn sie erscheint im Frack)".10

Lea Manti mit Zigarette und Monokel, 1910
Mit Zigarette und Monokel
um 1910
Sammlung Frank ©

Weil sie außer ihren Fingern kein weiteres Instrument benutzte, galt sie als „Natur-Kunstpfeiferin",11 die „mit der Bravour eines ganzen Orchesters zwitschert, flötet und pfeift".12 Auch Lea Manti selbst bezeichnete sich selbstbewusst als "Pfeif-Virtuosin".13 Sie war in der Lage, nach ein- oder zweimaligem Hören ein Musikstück einfach nachzupfeifen. Dabei klang ihr Pfeifen nicht schrill, sondern hatte einen angenehmen tiefen Ton.14 Ihre Auftritte wurden stets als virtuos und gelungen empfohlen und gelobt. Jahrzehntelang genoss die erfolgreiche und berühmte Künstlerin einen Ruf als unübertroffene Kunstpfeiferin. Ihre Karriere währte mehr als drei Jahrzehnte. In dieser Zeit pfiff sie an unterschiedlichen Varieté-Bühnen entweder allein oder mit unterschiedlichen, zum Teil auf Tournee gehenden Ensembles in zahlreichen Städten in Deutschland und Europa. Zu hören war sie in den großen Varietés der Metropolen, in Deutschland, der Schweiz, in Österreich, Böhmen, Polen, Belgien, Italien, Norwegen und in den Niederlanden sowie in England. Auch außerhalb Europas war Lea Manti unterwegs und offenbar auch sehr gefragt: 1913 trat sie im südafrikanischen Johannesburg auf, 1924 im US-amerikanischen Bundesstaat Kentucky.

Es lag nahe, dass es sich – wie bei vielen anderen Performancekünstlerinnen der lesbischen und trans* Klubs – bei dem Namen „Lea Manti" um ein Pseudonym handeln musste; bis jetzt konnte dieses allerdings nicht gelüftet werden.



Martha Mandt – geboren in Elberfeld


Lea Manti wurde als Martha Mandt15 am 13. August 1886 in Elberfeld (heute zu Wuppertal gehörig) in eine evangelische Familie geboren – zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Maria. Ihre Eltern waren Mathilde Sebastian (1854-1897) und der Buchbinder Franz Martin Mandt (1848 – nach 1907).16 Die Zwillinge waren nicht die ersten und auch nicht ihre einzigen Kinder: Mit der Tochter Caroline Ottilie (1874-1919) war Mathilde Sebastian bereits schwanger, als sie im November 1873 mit Martin Mandt den Bund der Ehe einging. Caroline Ottilie heiratete früh (1891),17 ließ sich wieder scheiden und heiratete 1905 zum zweiten Mal. Martha hatte vier weitere Geschwister:18 Anna Mandt (1875-1964), Martin Wilhelm Mandt (geb. 1878), der Schlosser Franz Hermann Mandt (1890-1942)19 und die Kassiererin Mathilde Karoline (1892-1982).20 Die Mandts hatten demnach mindestens sieben Kinder. Was aus der Zwillingsschwester Maria wurde, ist nicht bekannt.

Lea Manti um 1902, Sammlung Frank ©
um 1902
Sammlung Frank ©

Von 1892 bis 1894 lebten die Mandts vorübergehend in Düsseldorf, dann wieder in Elberfeld. Marthas Vater scheint die Familie – oder zumindest seine Ehefrau – verlassen zu haben, denn ab 1896 waren Mathilde und Martin mit zwei unterschiedlichen Adressen gelistet.21 Im Sommer 1895 hatte er sich in Elberfeld "im städtischen Obdache" aufgehalten und wurde nun per Steckbrief wegen Unterschlagung gesucht. Erst drei Monate später zog das Amtsgericht den Steckbrief wieder zurück.22 Ob er eine Gefängnishaft abwenden konnte? Zudem starb 1897 Mathilde Mandt. Sie wurde nur 42 Jahre alt. Die Familie zog wieder nach Düsseldorf, wo Martin Mandt gut ein Jahr, nachdem seine erste Frau gestorben war, erneut heiratete, und zwar 1898 Wilhelmine Kepper (geb. 1843).23

In dieser Zeit ging Martha Mandt vermutlich in Düsseldorf zur Schule. Absolvierte sie dort auch eine Ausbildung? Wahrscheinlich musste sie sehr früh selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen und konnte vielleicht aus finanziellen Gründen keine konventionelle Lehre machen. Spätestens ab 1903 trat sie vor Publikum auf. Ihre künstlerische Fertigkeit muss sie in diesen und den Folgejahren zu ihrem Beruf gemacht haben. 1911 wurde sie jedenfalls Mitglied24 der "Internationalen Artisten-Loge", einem Berufsverband, der für die soziale Absicherung von Artist_innen sorgen sollte.25 Eine Weile pendelte sie – vermutlich jeweils vor und nach Auftritten – zwischen Barmen (heute zu Wuppertal gehörig) und Düsseldorf.26 Die Städte und Bühnen, die sie frequentierte, wechseln sich so häufig ab, dass in dieser Zeit über einen oder mehrere dauerhafte Wohnorte nur spekuliert werden kann.



Lea Manti, Postkarte, gelaufen 1916, Privatarchiv
Postkarte, gelaufen 1916
Privatarchiv

Mindestens eine Ansichtskarte kokettierte mit dem Ansehen, das Lea Manti in den 1910er Jahren längst zu genießen schien: Im März 1916 wurde in Barmen eine Postkarte verschickt, auf der eine androgyne Person frontal stehend im Frackanzug zu sehen ist. Sie* trägt kurzes gescheiteltes, aber nicht anliegendes Haar und empfängt oder begrüßt freundlich lachend die Betrachtenden mit ausgebreiteten Armen. Unter der Abbildung ist gedruckt zu lesen: „LEA MANTI?"27

Sollte dies ein Hinweis darauf sein, dass Lea Mantis bürgerliche – oder eventuell auch geschlechtliche Identität uneindeutig war? Mit Bleistift ist unter die gedruckte Frage auf die 1916 gelaufene mir vorliegende Postkarte gekritzelt: „Der Liebling aller Frauen u. Mädchen". Es sieht so aus, als würde hier gerade mit dem Äußeren der Künstler_in gespielt, das durch den handschriftlichen Zusatz noch unterstrichen wird. Wie die Rückseite verrät, ist die Karte anlässlich seines Geburtstags an einen Herrn in Velbert (das liegt in der Nähe von Wuppertal) gerichtet. Es unterschreiben fünf Personen, von denen die meisten ihren vollen Namen nennen – was vielleicht den Rückschluss zulässt, dass es sich überwiegend um einander Bekannte und nicht um Verwandte handelte. Ob die Gruppe Lea Manti alias Martha Mandt persönlich kannte? Es ist sicher kein Zufall, dass diese Karte in Barmen ausgewählt und verschickt wurde, zudem zu einer Zeit, in der Martha Mandt immer wieder kurzzeitig in Barmen gemeldet war.



Auftritte, künstlerische Leitung – und Anekdoten


Lea Manti selbst gibt in einem Brief an, dass sie ihre Arbeit als Artistin bereits im Alter von 16 Jahren begann. Das würde bedeuten, dass sie seit etwa 1903 auf der Bühne stand.28 Es ist nicht bekannt, wie sie zu ihrer Kunstfertigkeit kam. Von 1909 bis 1943 sind zahlreiche Auftritte von ihr als Kunstpfeiferin belegt,29 und über Jahrzehnte ist ihr Name in Zeitungsinseraten für Varieté-Vorstellungen in diversen Städten zu finden: Zwischen internationalen Engagements wurde sie viele Male für Hamburg, Frankfurt am Main und mehrmals auch für Berlin verpflichtet. Ihre erste große Tournee absolvierte sie 1912/1913 mit der Agentur Paul Schultze30 in Großbritannien und Südafrika. Nach einer vierwöchigen Tour durch mehrere britische Städte fuhr sie mit einer Artistengruppe per Schiff nach Südafrika, wo sie erfolgreich in Johannesburg auftrat.31

Vorderseite eines Werbeflyers, Sammlung Frank ©
Vorderseite eines Werbeflyers
1920er Jahre
Sammlung Frank ©

Der Erste Weltkrieg schien sie nicht an ihren vielen Auftritten zu hindern: Ab etwa 1916 gastierte sie häufiger in Frankfurt am Main. Dort lernte sie Theaterdirektor Leo Lowry (ca. 1867-1918) und seine Frau kennen. Lowry, ein US-Amerikaner mit österreichischen Wurzeln, war verheiratet mit der aus Louisville in Kentucky gebürtigen US-Amerikanerin Violet G. Bennett (1875-1951).32 Leo Lowry hatte um 1900 in den USA als Tabakhändler Geschäfte gemacht. Er heiratete Violet Bennett, und wenig später zog das Paar nach Deutschland. Ab etwa 1910 wurde Lowry Theaterdirektor von mindestens zwei Varieté-Bühnen in Frankfurt am Main. Aber im Juni 1918 verstarb Leo Lowry, gerade einmal 51 Jahre alt,33 und seine Witwe Violet war plötzlich mit allen geschäftlichen Verpflichtungen, die Leo eingegangen war, auf sich allein gestellt. Angesichts der Situation, vielleicht auch aus Freundschaft, machte sie Lea Manti zu ihrer Geschäftspartnerin und ab Dezember 1918 übernahm Manti für etwa drei Jahre die künstlerische Leitung der "Arkadia's Künstlerspiele".34 Mindestens 1920 und 1921 lebten Violet Lowry und Lea Manti zudem zusammen in der Wohnung der Lowrys und waren als "Theaterdirektion Lowry-Manti" aktiv.35 Es lief alles glänzend: Manti eröffnete im Sommer 1920 im selben Gebäude von "Arkadia" tagsüber "Mantis Weinrestaurant" und nannte das Theater in "Lea Manti's Künstlerspiele" um.36 Die Kunstpfeiferin schien mit der Etablierung einer eigenen Bühne auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen zu sein. Davon profitierten auch Kolleg_innen, die bei ihr auftraten: So war zum Beispiel der Vortragskünstler Fritz Junkermann (1883-1942)37 nicht der Einzige, dessen Vertrag nach seinem ersten Auftritt von der Leiterin prompt verlängert wurde.38

Überlieferte Anekdoten, in denen Lea Mantis Name in Verbindung mit einer anderen Berühmtheit oder einer anderen Thematik genannt wird, belegen ihren hohen Bekanntheitsgrad: So erzählt der Humorist Hans Reimann (1889-1969)39 augenzwinkernd von einem merkwürdigen Diebstahl, der dem Kabarettisten Max Ehrlich (1892-1944) widerfahren sei, als er etwa um 1921 gegenüber den Frankfurter Künstlerspielen ein Hotelzimmer bezogen hatte. Ehrlich sei zu dieser Zeit bei Lea Manti angestellt gewesen und lief offenbar schnell zwischen Theater und Hotel hin und her, wobei ihm sein gesamtes Hab und Gut abhandenkam.40 Die Erwähnung der Künstlerin konnte nur funktionieren, wenn das Lesepublikum mit dem Namen Lea Manti auch etwas anfangen konnte, vielleicht auch ein Bild vor Augen hatte. Auch bei einer Sportberichterstattung wurde ihr Name ins Spiel gebracht. In einem Zeitungsartikel, der sich über ein scheinbar wahllos Beifall klatschendes Fußballpublikum auslässt, wird unverdienter an verdientem Applaus gemessen. Um die Selbstverständlichkeit eines Verhaltens beim Sport zu unterstreichen, das nach Ansicht des Schreibenden keiner besonderen Wertschätzung bedarf, wird die bekannte Künstlerin zum Vergleich herangezogen: „Wenn ein Spieler wegen Nasenbluten das Feld verläßt und nach fünf Minuten wieder erscheint, erhebt sich der Beifall. Wenn der Torwächter einen Ball hält, wird er beklatscht wie Lea Manti, wenn sie den Tannhäuser pfeift. Außergewöhnliche Leistungen können mit Freuden quittiert werden, aber wegen jeder Kleinigkeit die Hände patschen – das ist für meine wirklich nicht blasierten Begriffe eine Albernheit."41 Dass Lea Manti Beifall vom Publikum erhält, schreibt der Autor ganz klar ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten zu, die er im Fußball nicht erkennen kann. Auch hier ist die Voraussetzung für das Verständnis der Pointe ein allgemeines Wissen um die Künstlerin. Offenbar wurde ihre Bekanntheit auch in Fußballkreisen angenommen.

Die Geschäfte und Auftritte dürften weiterhin floriert haben, denn im Januar 1922 kaufte Lea Manti in Frankfurt die "Paul Jorick'schen Künstlerspiele" und nannte sie "Lea Manti's Bonbonnière";42 die anderen "Künstlerspiele" veräußerte sie im Mai. Für Manti schien sich alles zum Vorteil zu entwickeln; Violet Lowry jedoch litt offenbar an Heimweh. Sie stellte nämlich bereits seit 1920 wiederholt Anträge, um in die Staaten zurückkehren zu können. Ende Mai 1922 konnte Violet Lowry endlich nach Hause in die USA fahren. Gleichzeitig musste sie jedoch bereits um eine Ausreisegenehmigung bitten, denn sie hatte den Nachlass ihres in Frankfurt verstorbenen Ehemannes noch nicht in Gänze abgewickelt.43 Inwieweit diese Abwicklung Mantis Bühnenleitung und ihre Karriere in Frankfurt beeinflusste, lässt sich nur spekulieren: Hatte Lowry Manti die Geschäfte übertragen, die sie selbst nicht weiterführen wollte? Waren die beiden nicht nur Geschäftspartnerinnen gewesen? Es ist denkbar, dass Lea Manti sich in Violet Lowry verliebt hatte. Jedenfalls reiste sie ihr in die Staaten nach – und mit diesem Aufenthalt verband sie eine Konzert-Tour.



Ankündigung in The Courier Journal 1924, Reprinted with permission,<br>The Courier Journal ©
The Courier Journal,
18.1.1924
Reprinted with permission,
The Courier Journal ©

USA-Reise 1923/24 mit Auftritten in Kentucky und Events nach ihrer Rückkehr


Am 2. Oktober 1923 trat Mart(h)a Mandt alias Lea Manti eine Reise in die USA an. Dafür schiffte sie sich in Hamburg auf der "Reliance" nach New York ein. Es ging weiter in den Süden von Indiana, wo Violet Lowry wieder bei ihrer Mutter, Mrs Bennett, in New Albany lebte.44 Indiana grenzt an Louisville in Kentucky, die beiden Städte New Albany und Louisville sind durch den Ohio voneinander getrennt und beide Seiten in nur wenigen Wagenminuten erreichbar.45

In Louisville, Kentucky, trat Lea Manti nachweislich auf: Sie war Teil einer großen Performance verschiedener US-amerikanischer Künstler_innen und Artist_innen46 und nutzte zudem die Gelegenheit, sich vor Ort – unentgeltlich – an einer Wohltätigkeitsveranstaltung zu beteiligen: Zwei Jahre zuvor nämlich, am 28. Januar 1922, waren im Knickerbocker Theater in Washington, D. C., viele Menschen ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden, als bei einer Stummfilmvorführung mit Orchesterbegleitung das Dach einstürzte. Ein Schneesturm hatte enorme Schneemassen auf das Dach geweht, das mitten in der Vorstellung nachgab und auf die Musiker stürzte. Der aus Italien gebürtige Dirigent Ernesto Natiello (1878-1922) wurde darunter begraben und starb. Sein Bruder, der Violinist Oreste Natiello (1881-1959), verlor bei der Katastrophe einen Arm, überlebte aber. Die Brüder waren vor ihrem Engagement in Washington mit einer Band in Louisville, Kentucky, aufgetreten. Dorthin war Oreste, als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, zurückgekehrt.47 Ihm zu Ehren und zu seinen Gunsten wurde im Januar 1924 eine große Benefizveranstaltung durchgeführt, an der etwa 2.000 Zuschauende und 18 Künstler_innen teilnahmen, die eine große Menge Geld einspielten. Eine von ihnen war – in einem prominenten Foto in der Presse festgehalten – Lea Manti. Auf diesem Bild ist sie bis zu den Hüften zu sehen, trägt einen Anzug und eine Fliege sowie zurückgekämmte glatt am Kopf anliegende Haare. Ihr Arme hat sie in die Hüften gestemmt und schaut herausfordernd zur Seite.48

Anfang März 1924 trat Lea Manti als angekündigtes Novum und "international whistler" im Walnut Street Theater in Louisville, Kentucky, auf – und auf der Fotoseite der Zeitung inmitten von Größen wie dem mexikanisch-US-amerikanischen Stummfilmstar Ramon Novarro (1899-1968) oder der unerreichten Lillian Gish (1893-1993) fällt das lässige und androgyne Porträtfoto von Lea Manti stark ins Auge.49

Lea Manti blieb von Oktober 1923 bis Juni 1924 in den USA. Erhalten ist aus dieser Zeit außerdem ein einseitiger Vertrag über eine üppige Südstaaten-Tour durch 26 Städte, der von einer Person namens "P. Albert Plasche" als Präsident der "Southern States Concert Tours Corporation" unterzeichnet wurde. P.[aul] Albert Plaschke (1880-1954)50 – mit "k" – war wie Manti deutscher Herkunft, Kunstmaler und Cartoonist für die Lokalzeitungen in Louisville und dazu Violet Lowrys Schwager. Ob Lea Manti jene Tour bzw. in den angegebenen Ausmaßen tatsächlich unternommen hat, muss mit einem Fragezeichen versehen werden, da sich Auftritte in den genannten Städten bisher nicht nachweisen lassen. Machte sie eine Tournee oder verbrachte sie die meiste Zeit mit Violet Lowry? Begleitete Violet die Freundin? Sehr wahrscheinlich waren Paul Albert Plaschke und Violet Lowry maßgeblich diejenigen, die Lea Manti in der Benefit-Vorstellung einen Auftritt verschafft hatten.51

Laut einem deutschen Zeitungsartikel führte Lea Manti in Nordamerika auch mit dem damals bereits berühmten russisch-US-amerikanischen Violinisten Jascha Heifetz (1901-1987) ein technisches Meisterwerk auf, nämlich das "Scherzo Fantastique" aus dem "Tanz der Kobolde" (La Ronde des Lutins) von Antonio Bazzini (1818-1897).52 Für diese Angaben gibt es bisher allerdings keine weiteren Quellen. Jedenfalls verließ Lea Manti Anfang Mai 1924 die USA; mit ihr oder kurze Zeit später auch Violet Lowry. Letztere kehrte jedoch im Frühjahr 1926 nach Indiana zurück,53 vermutlich für immer. Ob die beiden sich jemals wiedergesehen haben?

Einen Monat nach ihrer Rückkehr aus den USA gingen Lea Mantis Engagements in der Berliner "Scala" weiter.54 Im März 1925 gab sie im "Pavillon" in Wien auf zwei Fingern die Ouvertüre der Operette "Orpheus in der Unterwelt" von Jacques Offenbach.55 Im Winter 1926/27 erfreute sie wieder Hamburg.56 Ihre Karriere scheint sich auch die nächsten Jahre in dieser Weise fortzusetzen. Und rückblickend stellt die Hamburger Vortragskünstlerin und Bühnenschriftstellerin Lena Düveke (ca. 1887 geboren) Ende der 1920er Jahre in einem Kurzporträt über Manti fest: "Genau wie in früheren Zeiten, so hat sie noch heute das wunderbar weiche, glockenreine Piano in ihrem Pfeifen, und doch kann sie ein volles Militärorchester von 60 Mann übertönen. Wer nicht Zeuge dieser Tatsachen war, kann es wohl kaum von dieser kleinen, zarten, fast knabenhaft schlanken Frau begreifen, die außer ihrer Kunst noch im Mittelpunkt eines anderen Interesses steht. Unendlich viele Wetten wurden schon gemacht, da niemand in diesem schlanken eleganten Burschen in lila-blauem oder braunen Frack eine Frau vermutete. Der eine sagt: Das ist doch keine Frau, das ist doch ein Mann! Der andere wieder: So kann keine Frau pfeifen! Und so entstanden Wetten und Wetten und das Interesse für diese Frau als Mensch wie als Künstlerin wurde größer und größer."57

Derweil bemühte Lea Manti sich in Hamburg erneut um ein Lokal, das ihren Namen tragen sollte: Sie eröffnete – vermutlich im Herbst 1931 – ein Café-Restaurant am Alsterthor. In "Lea Manti's Künstler-Club" sollten die Kunstschaffenden nach Theaterschluss zusammenkommen. Dazu lud Manti mit einer Anzeige für den Club herausfordernd ein: "Wo trifft man nach Theaterschluß die Hamburger Künstler wieder? [I]m Lea Manti's Künstler-Club".58

Zeitungsausschnitt, o. A., o. J. <br>The Courier Journal ©
Zeitungsausschnitt, o. A., o. J.
Sammlung Frank ©

Dies war offenbar für Hamburg eine neue Idee: Bei Lea Manti traf eine_r demzufolge nämlich auf Künstler und Künstlerinnen, die sich dort in ihrer Freizeit aufhielten59 – und selbstverständlich auch auf die Leiterin Lea Manti selbst.

Wer besagte Wetten abgeschlossen hatte, wollte sich die Kunstpfeiferin vor Ort bestimmt genauer anschauen und sich ein eigenes Bild machen. Galt ihr Club womöglich auch als Treffpunkt für lesbische, trans* und/oder schwule Kunstschaffende? Leider ist bisher dazu nichts überliefert; auch wie sich das Café weiter entwickelte, lässt sich nicht sagen. Klar ist: Als sie für ihren nächsten Auftritt in der "Scala" in Berlin weilte, wurde Lea Manti dort zusätzlich für eine Aufgabe engagiert, die ihr besonders gefallen haben dürfte.



Lea Manti sorgt für Stimmung in der Berliner Subkultur


Im Mai 1932 übernahm Lea Manti kurzfristig die Leitung eines Lesbenlokals. Die "Monokel-Diele" war im März 193160 von Lotte Hahm (1890-1967),61 der subkulturellen Netzwerkerin und Gründerin des beliebten Damenklubs Violetta, eröffnet worden. An Mantis Seite wirkte dort auch die Performance-Künstlerin Lola Gray (geb. 1893), die ebenfalls kurzzeitig die Leitung innehatte.62 Wenig später empfing Lea Manti im Juni 1932 in der "Manuela",63 dem zweiten Etablissement, das Hahm eröffnet hatte. Dort sollte die Kunstpfeiferin laut Ankündigung ebenfalls "für Stimmung" sorgen. Auch ein Bild von ihr mit Monokel war in der Lesbenpresse abgedruckt.64

Lea Manti, stilisiert
"Leamanti", stilisierte Abbildung
in Magnus Hirschfelds
"Geschlechtskunde"59

In ihrem äußerlichen Auftreten – Anzug und Kurzhaarfrisur – passten Lotte Hahm und Lea Manti hervorragend zusammen. Wie mögen sich die beiden verstanden haben? Wahrscheinlich engagierte Hahm Manti als zusätzliche Attraktion, und das lesbische und/oder trans* Publikum dürfte sich über die Anwesenheit der Künstlerin auch wegen ihrer Popularität sehr gefreut haben.


Etwa sechs Wochen war die Kunstpfeiferin in der "Monokel-Diele" und der "Manuela" tätig; dann war der Name "Lea Manti" auch schon wieder aus den Anzeigen der beiden Bars verschwunden. Kurze Zeit später mussten Lotte Hahm und ihre Lebensgefährtin Katharina Käthe Fleischmann (1899-1967), die jüdischer Herkunft war, diese Lokale auf antisemitischen Verfolgungsdruck der Nazis aufgeben, und 1933 wurden unter der NS-Diktatur die meisten lesbisch-schwulen-trans* Subkulturorte polizeilich geschlossen.65 Über die beschriebenen Erwähnungen in der Berliner Subkulturpresse der 1930er Jahre hinaus ist ein weiteres Wirken Lea Mantis in den Klubs nicht überliefert.

1933 wurden die Mitglieder der Internationalen Artisten-Loge zwangsweise zu Mitgliedern des Reichsverbands der Deutschen Artistik e. V., der der Reichstheaterkammer unterstand. Lea Manti scheint sich beeilt zu haben, für die Mitgliedschaft ihre "arische Herkunft" nachzuweisen. Ab 1934 durften "nicht-arische" Artist_innen nur noch mit Nachweis besonderer Verdienste Mitglied sein; dann wurde die Loge aufgelöst.66



Lea Manti, Mitgliedsausweis der Internationalen Artisten-Loge (I.A.L.)
Mitgliedsausweis der Internationalen Artisten-Loge (I.A.L.),
Sammlung Frank ©

NS-Zeit: Drohende Armut und finanzielle Unterstützung durch die Reichstheaterkammer

Engagements gab es weiter. Nach wie vor schwärmten die Zeitungen von der "eleganten mittelgroßen Dame im Herrenfrack, die ohne Burschikosität die beiden kleinen Finger zwischen die Lippen steckt und mit bestechender Selbstverständlichkeit Melodien aus der Lehàrschen Operette ‚Die lustige Witwe' pfeift – ein zartes, girrendes Quirrelieren zuerst, das anschwillt, dringlicher wird und schließlich in seine zärtliche Weise gerät, bis ein schriller Triller den kunstvollen Reigen der Pfiffe beendet. Wer hätte diese abschließende Dissonanz dem feingeschnittenen Gentlemanprofil der auf Fußspitze und Absatz unruhig wippenden Frackdame zugetraut?"67 In den 1930er Jahren trat Lea Manti auch im Rheinhotel Dreesen in Godesberg (heute zu Bonn gehörig) auf.68 Wusste sie nicht, dass dieses Quartier längst eine beliebte Unterkunft von Nazi-Größen war? Oder kümmerte es sie nicht? Adolf Hitler (1889-1945) kam seit 1926 regelmäßig in dieses noble Hotel.69

Es folgten weitere Auftritte sowohl im Theater als auch im Radio.70 Dann ließen die Bühnenangebote jedoch nach. Von Oktober 1937 bis April 1938 war sie in Hamburg beim "Café Näser" tätig. Dort hatte sie "als rechte Hand des Betriebsführers gearbeitet" und sich "dort aus kleinen Anfängen ein kleines, sauberes Kabarett" geschaffen.71 Sie verdiente 100 RM im Monat, davon gingen 32 RM für die Miete ab. Seit das Café im April schließen musste, hatte sie keine monatlichen Einkünfte mehr. Bislang war Lea Manti einmal jährlich zusätzlich aus einer Familienstiftung in Frankfurt/Oder unterstützt worden, die ihr "Gross-Onkel ehem. Leiparzt am Hofe Kaiser Nikolaus I. von Rußland"72 eingerichtet hatte. Aber seit 1932 waren die Zahlungen erheblich reduziert worden; sie lebte nun von der Wohlfahrt.73 Im Sommer 1938 ersuchte sie daher die Reichstheaterkammer um "Unterstützung aus der Spende ‚Künstlerdank'". Bei dieser "Spende" handelt es sich um eine 1936 von Reichspropagandaleiter Josef Goebbels (1897-1945) gegründete Stiftung, die bedürftige Künstler_innen finanziell unterstützen sollte. Die zum Antrag befragte Hamburger "Fachschaft Artistik" schrieb befürwortend, dass 1933 "Frau Mandt aus der Schweiz nach Deutschland gefahren" sei, "um zu wählen".74 Die an die Kammer gerichteten Briefe unterschrieb Manti mit "Heil Hitler"; dem Formular zufolge war sie kein NSDAP-Mitglied.75

Die Leiter der Kammern einigten sich bald, denn sie gingen davon aus, dass die "früher sehr bekannte Kunstpfeiferin" aufgrund ihres Alters (sie ist 51) kaum noch gute Engagements bekommen könne. Deshalb sprachen sie sich nach sorgfältiger Prüfung für eine "Spende in mittlerer Höhe" aus.76 Manti selbst gab allerdings – immer noch sehr selbstbewusst – im Juni 1938 im Fragebogen an: "Trotz meiner künstlerischen Qualitäten Heute (sic, im Original unterstrichen) wie früher ist es mir unmöglich Engagement zu finden – mein Alter spielt keine Rolle, da ich aussehe wie Dreissig. Referenz Fachschaftsleiter Tilllmar [? unleserlich] Hamburg".77 Es ist anzunehmen, dass die Leiter bei der Gewährung der Beihilfe (100 RM) keine Kenntnis von Lea Mantis Aktivitäten in der Berliner Subkultur hatten.

Weitere Erfolge im NS und Leben in der Nachkriegszeit

Autogrammkarte von Lea Manti, 1944
Autogrammkarte
Lea Manti, 1944
Betti Scheuing gewidmet
Sammlung Frank ©

1940 – also nach Kriegsbeginn und während anhaltender und sich verstärkender Verfolgungsmaßnahmen gegen Jüdinnen und Juden sowie gegen weitere unerwünschte Bevölkerungsgruppen und Verhaltensweisen – lebt Lea Mantis Karriere wieder auf. Sie pfeift in Würzburg, Essen, Kassel, aber auch in bereits besetzten Gebieten im angrenzenden Ausland: 1940 im tschechischen Karlsbad (heute: Karlovy Vary), das durch die NS-Diktatur in das neu geschaffene "Protektorat Böhmen und Mähren" eingegliedert wurde.78

Im Sommer 1941 nimmt Lea Manti an einem Auftritt im lettischen Riga teil: Das Apollo-Theater Augsburg inszeniert für die dort stationierten deutschen Soldaten, die Riga besetzt hielten, eine "Parade der Sensationen".79 Doch dann kommt auch für diejenigen Kunstschaffenden das Aus, die durch die Besetzung verschiedene Theaterengagements erhalten hatten: 1944 erlässt Joseph Goebbels eine totale "Theatersperre"; alle Theater schließen.

In dieser Zeit scheint Lea Manti die Hamburger Tänzerin Betti Scheuing (1913-1996) kennengelernt zu haben; ein Spruch auf einer mit 1944 datierten Autogrammkarte ist ihr gewidmet.80


Wurden die beiden Frauen schon in den 1940er Jahren ein Paar? Über ihr Leben bei Ende des Krieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit ist nichts bekannt. Aber seit Anfang der 1950er Jahre lebten sie definitiv zusammen in Langenhorn im Norden Hamburgs.81


Betti Scheuing, 1946
Die Tänzerin Betti Scheuing,
1946, Sammlung Frank ©

Sehr viele gemeinsame Jahre sind ihnen nicht mehr beschieden, denn nur wenige Jahre später wird Lea Manti krank. Ab mindestens November 1958 befindet sie sich (wiederholt?) in der Lungenheilanstalt Wintermoor82 in Schneverdingen in Niedersachsen. Sie vermisst die Gefährtin und schreibt Betti sehnsüchtige Briefe, die sie mit "Lasse dich im Geiste fest an mein Herz drücken – Viele Küsse" und mit "Deine Lea" unterschreibt.83 Ob sie sich im Frühling 1960 noch einmal erholt hat oder sogar nach Hause zu ihrer Freundin entlassen worden war, ist nicht überliefert: Lea Manti alias Marta Mandt verstarb im Sommer 1960 im Alter von 73 Jahren. Ihre Lebensgefährtin Betti Scheuing kümmerte sich um alles: Sie organisierte sowohl Mantis Beerdigung als auch deren letzte Ruhestätte auf dem Ohlsdorfer Friedhof. Zudem hob sie Bilder und Zeitungsausschnitte, die Lea Manti zu den einzelnen Stationen ihrer Karriere gesammelt hatte, sorgfältig auf. Und auch nach Betti Scheuings Tod 1996 blieb die Sammlung erhalten, sodass wichtige Informationen über sie weitergegeben werden konnten.84



Die Kunstpfeiferin Lea Manti in den Augen der zeitgenössischen Sexualwissenschaft


Lea Mantis Outfit und ihr Auftreten wurden nicht nur künstlerisch bewertet. Schon früh in ihrer Karriere sollte ihr Erscheinungsbild einem Mediziner für dessen frauenfeindliche Thesen zu weiblicher Homosexualität dienen. Die wagte er aber nur unter Pseudonym zu veröffentlichen: Als Dr. Georg Back85 ließ sich der Arzt Georg Merzbach (1868-1939)86 in einer Publikation von 1910 über alles aus, was seiner Meinung nach von sogenannter normaler Sexualität abwich. In diesem Zusammenhang ist in seinem Werk "Sexuelle Verirrungen des Menschen und der Natur" eine Abbildung – vermutlich eine Autogrammkarte – von Lea Manti87 abgedruckt.88

Lea Manti, 1910 Jahre, Sammlung Frank
Lea Manti
1910er Jahre
Sammlung Frank ©

Auf besagtem Foto ist Lea Manti Anfang zwanzig, trägt ein über die Hüften reichendes Jackett und einen langen Rock, ein Hemd mit Kragen und Schlips, dazu einen großen Hut. Sie lächelt in die Kamera, während sie sich scheinbar auf einen Stuhl aufstützt und die Hand an die Wange hält. Unter dem Bild im Buch ist zu lesen: "Viriler Typus einer Varieté-Kunstpfeiferin. Die virilen homosexuellen Frauen bringen es häufig zu einer Kunstfertigkeit im Pfeifen, während die meisten homosexuellen Männer überhaupt nicht pfeifen können." – Kunstpfeifen war also ein Zeichen für virile homosexuelle Frauen? Oder was sollte das Bild mit dem Begleittext ‚beweisen'? Welchen Zweck verfolgte Back/Merzbach mit der Abbildung?

Georg Merzbach war vor dem Ersten Weltkrieg Mitglied des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK, gegr. 1897), der ersten Organisation, die für die Interessen von Homosexuellen eintrat, und zeitweise war er Stellvertreter des Mitgründers und Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld (1868-1935). Merzbach wurde in mehreren prominenten Gerichtsverfahren als Gutachter eingesetzt und kämpfte für die Rechte von Homosexuellen sowie für die Abschaffung des § 175 RStGB, obwohl er Homosexualität pathologisierte und als Krankheit und "Verirrung" bewertete. Er kategorisierte Homosexualität als angeboren und damit als Lebensweise nicht frei wählbar. Homosexualität war in Backs/Merzbachs Augen das größte Sexualleiden überhaupt.89 Nach seiner Vorstellung – und zur Untermauerung zog er allerlei andere Sexualwissenschaftler seiner Zeit heran – handelte es sich bei "(viril homosexuell veranlagten) weiblichen Personen, [um welche, IB] die von dem inneren Drang erfüllt sind, es in ihrem Wirken, in der Entfaltung ihrer Kräfte und Fähigkeiten dem Manne gleichzutun." "Virilität" meinte eine ganz bestimmte Vorstellung von Maskulinität; in der späteren Subkultur der Weimarer Republik wurde sie auch als eine Art Erkennungszeichen homosexueller Frauen verwendet.90

In Backs Ideenwelt waren homosexuelle Frauen keine richtigen Frauen, denn nicht "die eigentlichen, echten (heterosexuellen) Frauen" verlangen nach Emanzipation, sondern nur diejenigen, die eine "stark ausgebildete Männlichkeit besitzen".91 Mit dieser Behauptung erklärte er – ganz im Tenor derer, die daran interessiert waren, emanzipierte Frauen wieder in die ihnen von Männern zugedachten Rollen zurückzuverweisen – alle Frauen für homosexuell, die sich in der "Frauenfrage" stark machten und für Frauenrechte kämpften. Dies war diskreditierend gemeint und arbeitete anderen Antifeministen zu.

Wie war Georg Merzbach überhaupt an das Foto von Lea Manti gekommen? War er bei Vortragsreisen in einer Stadt gewesen, in der Lea Manti zeitgleich als Kunstpfeiferin auftrat? War er bei einer ihrer Vorstellungen anwesend und hatte sie angesprochen? Oder hatte sie ihrerseits Kontakt zum Wissenschaftlich-humanitären Komitee, z. B. zu Magnus Hirschfeld aufgenommen? Hirschfeld selbst nutzte Jahre später ebenfalls ein Foto von Lea Manti (eines von etwa 1918), und zwar im 4. Band seiner Geschlechtskunde. Dort begleitete das Bild folgender Untertitel: "Eine als Mann auftretende Frau (‚Leamanti')".92 Oder war Lea Manti 1910 schon so bekannt, dass Backs Abdruck des Fotos mit dieser Bildunterschrift einem Outing gleichkam? Es ist nicht überliefert, ob Manti überhaupt davon Kenntnis hatte oder sie darauf in irgendeiner Weise reagierte.

Lea Manti gehörte sicher zu den ersten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, die sich selbst als androgyn inszenierten. Mit ihrem Auftreten hat sie bereits in den 1910er Jahren dem sogenannten Cross-Dressing nachdrücklich Vorschub geleistet. Sie wirkte zweifellos für viele wegweisend – und was starre Zwei-Geschlechter-Normen betrifft: vermutlich auch befreiend.



Ingeborg Boxhammer (Bonn 3/2020; aktualisiert 8/2020)

Siehe auch die Übersicht über bisher bekannte Auftritte unter Material (Stand 9/2020)



Zitiervorschlag:
Boxhammer, Ingeborg: Lea Manti (1886 – 1960): "die nicht nur auf weibliche Kleidung, sondern auch auf den kleinen Fingern pfeift" – Eine neue Annäherung an Leben und Werk der Kunstpfeiferin. Bonn 2020. Available from: Online-Projekt Lesbengeschichte. Boxhammer, Ingeborg/Leidinger, Christiane. URL https://www.lesbengeschichte.org/bio_manti_d.html [cited DATE]





1 Die vorliegende Kurzbiografie zu Lea Manti konnte aufgrund der Corona bedingten verstärkten Heimarbeit früher als geplant verfasst werden. Nach der Veröffentlichung im März 2020 wurden der Autorin freundlicherweise weitere Hinweise und biografische Details zu Lea Manti zugänglich gemacht: Herzlichen Dank an Joachim Frank (bei Hamburg) für seine Kontaktaufnahme mit dem Portal und für die überlassenen Quellen und Fotos (http://lea-manti.de). Mit den neuen Informationen konnte der ursprüngliche Text in großen Teilen erweitert, ergänzt und aktualisiert werden.


2 Siehe zu ersten biografischen Skizzen zu Lea Manti: Heike Schader: Virile, Vamps und wilde Veilchen. Sexualität, Begehren und Erotik in den Zeitschriften homosexueller Frauen im Berlin der 1920er Jahre. Königstein/Ts. 2004; Heike Schader: Kurzportraits über Menschen, die in den 1920er Jahren lebten, in einem Buch zum Thema Butch?, in: Pia Thilmann (Hg.): Butches – begehrt und bewundert, Berlin 2018, S. 28-32.


3 Es ist keine geschlechtliche Selbstdefinition überliefert; lediglich der gewählte Künstlerinnenname "Lea" deutet darauf hin, dass sie sich selbst als Frau verstanden haben dürfte.


4 Die Fackel, 8.12.1922, S. 3.


5 Vgl. F. H.: Paris im Orpheum, in: Grazer Tagblatt, 3.12.1930, S. 4.


6 Altonaer Nachrichten, 3.2.1915, S. 3. – Mit dem „Lieblingsmarsch" könnte der "Einzug der Gladiatoren" von Julius Fučík gemeint sein, vgl. Österreichisches Biographisches Lexikon ab 1815 (2. überarbeitete Auflage – online), PUBLIKATION: ÖBL Online-Edition, Lfg. 4 (30.11.2015), https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_F/Fucik_Julius_1872_1916.xml, Zugriff 3/2020.


7 Prager Tagblatt, 18.3.1911, S. 6.


8 Prager Tagblatt, 6.1.1914, S. 4. – Die Farbe Violett galt in der Weimarer Republik als Code der Subkultur, siehe dazu Hanna Hacker: Frauen* und Freund_innen. Lesarten „weiblicher Homosexualität" Österreich 1870-1938 (= challenge GENDER 4), überarb. Wien 2015 [1987], S. 306.


9 Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 18.9.1915, S. 3.


10 Hamburger Nachrichten, 6.9.1930, S. 9.


11 Hamburger Correspondent, 2.10.1909, S. 4.


12 Hamburger Anzeiger, 20.8.1923, S. 3.


13 Vgl. das Logo ihres Briefpapiers in einem Schreiben vom 5.5.1938, BArch, Akte der Reichstheaterkammer R9361-V, Archivnummer 70720. Die Akte hat keine Blattzählung.


14 Vgl. The Courier Journal, 18.1.1924, S. 16.


15 Oft auch als Marta, ohne h.


16 Heiratsurkunde Nr. 820/1873, Stadtarchiv Wuppertal.


17 STA Düsseldorf-Mitte 1344/1891, Stadtarchiv Düsseldorf.


18 Stadtarchiv Wuppertal.


19 Sterbeurkunde, ancestry.de, Zugriff 3/2020.


20 Stadtarchiv Düsseldorf, 23.01.2020, MKD 1890-1925, Film-Nr.: 7-4-1-125.0000, Streifen 51-52.


21 Stadtarchiv Wuppertal


22 Amtsblatt für den Regierungsbezirk Düsseldorf, 1895, Nr. 92 und Nr. 156.


23 Adressbuch Düsseldorf 1899.


24 BArch, Akte der Reichstheaterkammer R9361-V, Archivnummer 70720.


25 Die "Internationale Artisten-Loge" wurde 1901 gegründet und entwickelte sich während des Kaiserreichs zu einer der einflussreichsten Organisationen, bei der Frauen zwar Mitglied werden konnten, jedoch lange nicht an deren Versammlungen teilnehmen durften, vgl. Wolfgang Jansen: Das Varieté. Die glanzvolle Geschichte einer unterhaltenden Kunst, Berlin 1990, S. 175f.


26 Stadtarchiv Düsseldorf, 23.1.2020, MKD 1890-1925, Film-Nr.: 7-4-1-125.0000, Streifen 51-52.


27 Privatarchiv.


28 Vgl. BArch, Akte der Reichstheaterkammer R9361-V, Archivnummer 70720.


29 Hamburger Correspondent, 2.10.1909, S. 4. – Sammlung Frank.


30 Zu dieser Agentur konnten bisher keine Einzelheiten ermittelt werden.


31 Sammlung Frank.


32 Ich danke herzlich Shelley M. Morrison für ihre Recherchen zur Herkunft und zur Familie von Violet Lowry.


33 Vgl. Todesanzeige in Frankfurter Nachrichten und Intelligenzblatt, 14.6.1918, S. 6.


34 Vgl. Frankfurter Nachrichten und Intelligenzblatt, 20.12.1918, S. 4. – "Künstlerspiele" war in der Regel eine Bezeichnung für eine Theaterbühne, auf der Kabarett und Varieté präsentiert wurden.


35 Adressbuch Frankfurt 1920, möglicherweise bereits seit 1919. – Ich danke herzlich Jens Dobler für den Hinweis auf Lowry-Manti in Frankfurt.


36 Neue Jüdische Presse, 27.7.1920, S. 5.


37 Fritz Junkermann wurde später als Homosexueller verfolgt, kastriert und in der Tötungsanstalt Bernburg getötet, siehe https://www.der-liebe-wegen.org/?profil=fritz-junkermann, 6/2020.


38 Vlg. Die Fackel, 25.9.1920, S. 3.


39 Hans Reimann gab zwischen 1924 und 1929 in Frankfurt am Main die satirische Zeitschrift Das Stachelschwein heraus.


40 Vgl. Hans Reimann: Gräfin Mariza und ein Diebstählchen, Auszug aus dem "Stachelschwein", in: Linzer Tages-Post, 2.8.1925, S. 11.


41 Ausschnitt aus der Zeitung Fußball, Nr. 14, 3.4.1921, zitiert auf: https://www.dfb.de/news/detail/dfb-wochenschau-pfostenbruch-und-erstes-tor-des-monats-27033/full/1/, Zugriff 5/2020.


42 Vgl. Die Fackel, 14.1.1922, S. 3; 11.2.1922, S. 4.


43 Dafür waren mehrere Eingaben und Bestätigungsschreiben nötig. Herzlichen Dank für diese Recherchen an Shelley Morrison.


44 Vgl. 1923_New York Passagierlisten Martha Mandt_NYT715_3391-0727+0728, ancestry.com, Zugriff 11/2019.


45 Herzlichen Dank für die geografische Einordnung an Shelley M. Morrison.


46 Vgl. The Courier Journal, 2.3.1924. Herzlichen Dank für die zusätzlichen Zeitungsrecherchen an Shelley M. Morrison.


48 Vgl. The Courier Journal, 20.1.1924. – Herzlichen Dank für ihre Recherchen an Shelley M. Morrison.


49 The Courier Journal, 2.3.1924, S. 25;1. – Auch dieses im Courier Journal publizierte Foto dürfte die Künstlerin in die USA mitgebracht haben; beide genannten Abbildungen ordnete Lea Manti in dem überlieferten Teilnachlass dem Jahr 1918 zu (Sammlung Frank).


50 Siehe auch C. Robert Ullrich; Victoria A. Ullrich (Ed.): German Influences in Louisville, Charleston 2019, bes. S. 96-99.


51 Ich danke herzlich Shelley Morrison für den Gedankenaustausch über den Aufenthalt in den USA.


52 Zeitungsausschnitt, Hamburg, o. J. [1927] (Sammlung Frank).


53 Hamburg Passenger Lists, 1850-1934, ancestry.com, Zugriff 6/2020.


54 Zeitungsausschnitt, Hamburg, o. J. [1924] (Sammlung Frank).


55 Neue Freie Presse, 5.3.1925, S. 16. – Im selben Programm trat die (lesbische) Diseuse Olga Rinnebach (1899-1957) auf, die später, 1942 in Hamburg, mit dem schwulen Kabarettisten Robert T. Odemann (? bis 1985) eine Scheinehe einging, der aber trotzdem denunziert wurde und ins KZ Sachsenhausen kam, vgl. Gudrun Holz (2000): Die schwulen Opfer des Faschismus, https://shop.jungle-world.com/artikel/2000/15/die-schwulen-opfer-des-faschismus, Zugriff 11/2019. – Kannten die beiden sich aus Hamburg – und waren sie möglicherweise gemeinsam als Einzelkünstlerinnen unterwegs bei den gleichen Engagements? Jedenfalls verbrachten beide mindestens zwei Monate (März/April) 1925 im Wiener "Pavillon". – Vgl. auch Die Stunde, 19.3.1925, S. 5; 1.4.1925, S. 6.


56 Hamburger Anzeiger, 6.12.1926.


57 Lena Düveke: Lea Manti. (15 Jahre Weltvarietés.), o. A. [Hamburg], o. J. [1927], (Sammlung Frank).


58 Zeitungsausschnitt, o. A., o. J. (Sammlung Frank).


59 Zwei Zeitungsausschnitte, o. A., o. J. (Sammlung Frank).


60 Vgl. Die Freundin, Nr. 11, 18.3.1931.


62 Vgl. Die Freundin, Nr. 18, 4.5.1932.


63 Vgl. Die Freundin, Nr. 22, 1.6.1932.


64 Die Freundin, Nr. 25, 15.6.1932; Die Freundin, Nr. 22, 1.6.1932. – Manti selbst datiert das der Abbildung zugrunde liegende Foto auf 1928 (Sammlung Frank). – Siehe zu Monokel als lesbische Chiffre bei Hanna Hacker: Frauen* und Freund_innen. Lesarten "weiblicher Homosexualität" Österreich 1870-1938 (= challenge GENDER 4), überarb. Wien 2015 [1987], S. 313.


65 Vgl. Ingeborg Boxhammer; Christiane Leidinger: It-Girls der 20er Jahre. Lotte Hahm (1890-1967) und Käthe Fleischmann (1899-1967) betrieben Lesbenbars, initiierten Vereine und brachten Lesben und "Transvestiten" zusammen. In: L.Mag. Das Magazin für Lesben, März/April 2019, S. 44f. – Ingeborg Boxhammer; Christiane Leidinger (i.E.): Offensiv – strategisch – (frauen-)emanzipiert: Spuren der Berliner Subkulturaktivistin* Lotte Hahm (1890–1967). In: GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft 1/2/2021 (i.E.) (Aufsatz accepted 28.5.2020)


66 Vgl. Birgit Peter: Zirkus und Artistik unter der NS-Herrschaft, in: Brigitte Dailinger; Veronika Zangl (Hg.): Theater unter NS-Herrschaft. Theatre under Pressure (Theater – Film – Medien, Bd. 2), Göttingen 2018, S. 161-180, hier 166f.


67 ska_: Im Odeon wird gepfiffen, 20.9.1936, Zeitungsausschnitt o. A. (Sammlung Frank).


68 Vgl. Bestätigungs- und Empfehlungsschreiben von Fritz Dreesen, 26.5.1933 (Sammlung Frank).


69 Vgl. Bruno Fischer: Köln und Umgebung 1933-1945. Der historische Reiseführer, Berlin 2012, S. 100f.


70 Vgl. z. B. Reichssender Köln, 9.2.1925, in: Bonner General-Anzeiger, 6.2.1935, S. 11.


71 So beschreibt es der Leiter der Landesfachschaft IV der Fachschaft Artistik in Hamburg am 13.5.1938 in seinem Brief an die Reichstheaterkammer Fachschaft Artistik in Berlin, BArch, Akte der Reichstheaterkammer R9361-V, Archivnummer 70720.


72 Gemeint ist vermutlich der aus Wuppertal gebürtige Mediziner Martin Wilhelm von Mandt (1799-1858), vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Martin_Wilhelm_von_Mandt, Zugriff 3/2020.


73 Lea Manti an die Geschäftsstelle 4409 "Künstlerdank", 22.6.1938. BArch, Akte der Reichstheaterkammer R9361-V, Archivnummer 70720.


74 Korrespondenz zwischen der "Fachschaft Artistik" der Reichstheaterkammer in Hamburg und dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Spende "Künstlerdank", 19.7.1938. BArch, Akte der Reichstheaterkammer R9361-V, Archivnummer 70720.


75 Lea Manti an die Geschäftsstelle 4409 "Künstlerdank", 22.6.1938; Antragsformular der Fachschaft "Artistik" vom 28.5.1937 [d.i. 1938]. BArch, Akte der Reichstheaterkammer R9361-V, Archivnummer 70720.


76 BArch, Akte der Reichstheaterkammer R9361-V, Archivnummer 70720.


77 BArch, Akte der Reichstheaterkammer R9361-V, Archivnummer 70720.


78 Sammlung Frank.


79 Vgl. Deutsche Zeitung im Ostland, 13.8.1941, S. 5.


80 Autogrammkarte von April 1944 (Sammlung Frank).


81 Vgl. Hamburger Adressbuch 1961.


82 Wintermoor wurde 1941 von der paramilitärischen Organisation Todt als Krankenhaus gebaut. 1947/48 wurde das Krankenhaus eine Tuberkuloseklinik, vgl. https://archiv-wintermoor.de/ehrhorn/waldkrankenhaus-und-endo-klinik, 5/2020.


83 Lea Manti an Betti Scheuing, 21.11.1958 (Sammlung Frank).


84 Sammlung Frank. – In den online zugänglichen Hamburger Generalsterberegistern ist Lea Manti im fraglichen Band nicht als Verstorbene aufgeführt. Register gesichtet auf https://www.hamburg.de/bkm/digitalisate/332-5-standesaemter/4246100/332-5-standesaemter-generalregister-sterbefaelle/#anker_37, Zugriff 5/2020.


85 Der Mediziner hatte keine Scheu, sich selbst immer wieder zu zitieren und damit seine eigenen, unter seinem richtigen Namen gemachten Ausführungen zur Absicherung und Nachdrücklichkeit der Äußerungen seines alter ego Dr. Georg Back zu verwenden.


86 Zur Person des Mediziners: Richard Kühl: Georg Merzbach. In: Volkmar Sigusch; Günther Grau (Hg.): Personenlexikon der Sexualforschung, Frankfurt/Main 2009, S. 294-297.


87 Ihr Name wird im Buch nicht genannt, aber jene Abbildung ist identisch mit einer Abbildung von Lea Manti in der Sammlung Frank.


88 Georg Back: Sexuelle Verirrung des Menschen und der Natur. Großes illustriertes Sammelwerk über die krankhaften Erscheinungen des Geschlechtstriebes, das echte und das Schein-Zwittertum, und andere rätselhafte Erscheinungen auf sexuellem Gebiet, 2. Teil, 2. u. 3. Auf., Berlin 1910, S. 677.


89 Back, Sexuelle Verirrung des Menschen und der Natur, S. 562.


90 Siehe auch Heike Schader: Virile, Vamps und wilde Veilchen. Sexualität, Begehren und Erotik in den Zeitschriften homosexueller Frauen im Berlin der 1920er Jahre, Königstein/Ts. 2004.


91 Back, Sexuelle Verirrung des Menschen und der Natur, S. 687.


92 Magnus Hirschfeld: Geschlechtskunde: auf Grund dreißigjähriger Forschung und Erfahrung, Bd. 4, 1930, S. 574. – Herzlichen Dank für den Hinweis auf diese Abbildung an Jens Dobler.





Lea Manti in "Die Freundin" 1932, Nr. 24
Lea Manti in "Die Freundin"
1932, Nr. 24

Ursprünglicher Eintrag zu Lea Manti unter der Rubrik "Biografische Skizzen":

Leitung der Monokel-Diele

In der Freundin wurde 1932 angekündigt, "daß die weltbekannte Kunstpfeiferin (von der Skala Berlin), Lea Manti die Monokel-Diele übernommen hat." (Anzeige der Monokel-Diele. In: Freundin 1932, Nr. 18) Die Bezeichnung der "pfeifende Frack" weist darauf hin, dass Sie vorzugsweise in männlicher Kleidung auftrat. Einige Hefte später heißt es dann unter der Überschrift "Neuigkeit bei Manuela": “Die weltbekannte Künstlerin Lea Manti erwartet alle Freundinnen täglich abends in den eleganten Klubräumen (...)." (Anzeige der Manuela Bar. In: Freundin 1932, Nr. 22). Kurze Zeit später verschwindet ihr Name wieder aus den Anzeigen der Manuela Bar.



Ergänzung:Wenn der Torwächter einen Ball hält, wird er beklatscht wie Lea Manti, wenn sie den Tannhäuser pfeift. Satyr. (aus dem 'Fußball', Ausgabe 14/1921)



Heike Schader (2004)


Aus:
Schader, Heike: Virile, Vamps und wilde Veilchen. Sexualität, Begehren und Erotik in den Zeitschriften homosexueller Frauen im Berlin der 1920er Jahre. Königstein/Ts.: Ulrike Helmer 2004.